Die Bauchfelldialyse ist eine der Hämodialyse gleichwertige Nierenersatztherapie. Bei ihrer Durchführung wird eine sterile (keimfreie), spezielle Lösung über einen Schlauch (Tenckhoff- Katheter) in den Bauchraum eingeführt, verbleibt dort eine bestimmte Zeit und wird dann in einen Beutel abgepumpt und wieder durch eine neue Lösung ersetzt, so dass sich ständig Flüssigkeit in der Bauchhöhle befindet.

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Dabei werden durch Diffusionsvorgänge harnpflichtige Substanzen und überschüssiges Wasser aus dem Körper entfernt. Das Bauchfell, das eine äußerst gut durchblutete und großflächige Membran ist, dient uns als „Filter“.

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Beginn der Peritonealdialyse

Damit man die Peritonealdialyse (PD) durchführen kann, muss ein Katheter in den Bauchraum eingepflanzt werden. Dies geschieht in Vollnarkose durch eine Operation. Die Kinder haben anschließend bei uns (je nach Alter) vier bis sieben Tage Bettruhe, damit der Katheter einwachsen kann und bei Dialysebeginn keine Flüssigkeit aus dem Bauchraum neben dem Katheter austritt. Trotzdem wird meist direkt mit der Dialyse begonnen, d.h. etwa 4-8 h nach der Operation. Wir beginnen zuerst mit häufigen Wechseln und kleinen Mengen an Dialyseflüssigkeit. Wenn alles gut geht und der Zustand des Kindes es erlaubt, wird die Bauch-Füllmenge regelmäßiggesteigert, die Häufigkeit der Wechsel reduziert und die Verweilzeit im Bauch verlängert, bis wir je nach Größe und Alter des Kindes individuell die optimale Bauchfelldialyse eingestellt haben. Die Zeit des Klinikaufenthalts wird genutzt, die Eltern mit der Bauchfelldialyse vertraut zu machen (dies benötigt i.d.R. 3-4 Wochen). Die PD ist ein Verfahren, das später zu Hause nach genauen Richtlinien selbstständig durchgeführt werden kann.

Es gibt grundsätzlich zwei Formen der Bauchfelldialyse, die hier kurz vorgestellt werden sollen:

Der Beutelwechsel von Hand (kontinuierliche ambulante PD = CAPD)

An den Tenkhoff Katheter wird ein Y-Stück angeschlossen, das mit einem auf den Boden liegenden Beutel, sowie mit einem vollen Beutel mit Dialyselösung (Zuckerlösung) an einem Infusionsständer verbunden ist. Mittels Schwerkraft läuft dann zuerst der Bauchraum mit der „alten“ Lösung leer, bis eine Klemme geöffnet wird und die neue Zuckerlösung in Bauchraum laufen kann. Nach Beendigung dieses Vorgangs wird das Y-System weggenommen und der Katheter steril verschlossen.

Nach einer Verweildauer von ca. vier Stunden wiederholt sich dieser Vorgang. Die vier Beutelwechsel, welche ungefähr je 20-30 Minuten pro Tag in Anspruch nehmen, lassen sich relativ gut in den Tagesablauf integrieren. Der erste Wechsel erfolgt gleich nach dem Aufstehen. Der zweite dann am Mittag, der dritte am Nachmittag nach der Schule und der vierte vor dem Schlafengehen.

Bei dieser Behandlung ist die Infektionsgefahr besonders groß, besteht doch viermal am Tag ein direkter Zugang in den Bauchraum, wenn wir das System anschließen bzw. abnehmen. Infektionen sind mit sorgfältiger, sauberer Dialysetechnik jedoch weitgehend vermeidbar. Das Lernprogramm umfasst neben der genauen Technik, die richtige Fixation des Katheters, Pflege der Katheteraustrittsstelle, Körperhygiene, Erkennen von möglichen Komplikationen und deren Behebung und natürlich die Vermittlung von theoretischen Kenntnissen um die Dialyse. Zudem sorgt eine neue Generation von Dialyselösungen (Physioneal, Baxter oder Bikavera, Fresenius) für eine bessere Erhaltung der körpereigenen Immunabwehr.

Nächtliche intermittierende Peritonealdialyse (NIPD) mit der Maschine

Bei der nächtlichen intermittierenden Bauchfelldialyse übernehmen Maschinen, wie z.B. der Sleepsafe von Fresenius, die Dialysatwechsel automatisch nach einem eingegebenen Programm. Der Patient wird morgens nach Beendigung des Programms wieder „abgehängt“. Eine kleine Menge von Dialysat verbleibt meist im Bauch über den Tag. Wenn tagsüber auch noch Beutelwechsel stattfinden, spricht man von einer chronisch cyklischen Bauchfelldialyse, also der Kombination der beiden Dialyseverfahren.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese Maschinen sowohl unseren kleinen Patienten wie auch den älteren Kindern und Erwachsenen große Vorteile bringen. Meistens sind die Eltern (vor allem die Mütter) mit ihrem kranken Kind, deren Geschwistern und der Familie ohnehin schon so beschäftigt, dass es für alle eine große Entlastung bedeutet, wenn sie tagsüber nicht auch noch dialysieren müssen. Bei sehr kleinen Kindern ist es weiter von Vorteil, wenn während der Nahrungsaufnahme am Tag der Bauch nicht noch mit Dialysat gefüllt ist. Für die größeren Patienten ist die Zeitersparnis durch die Maschine von Bedeutung, gerade wenn Schule, Schulweg und Freizeit im Tagesablauf relativ viel Zeit in Anspruch nehmen.

Die täglichen Beutelwechsel sollten aber auch zur Routine geworden sein. Eine einwandfreie Beherrschung dieser Methode ist auch eine der Vorraussetzungen für die Benutzung der maschinellen PD, denn bei einem technischen Defekt muss jederzeit auf die Handmethode (CAPD) zurückgegriffen werden können.

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Leben mit der Bauchfelldialyse

Die Kinder bleiben körperlich aktiv und können Sport treiben. Schwimmen in öffentlichen Bädern sollte vermieden werden, da die Infektionsgefahr zu groß ist. Die Freizeit kann ebenfalls relativ frei gestaltet werden. Die Ferien stellen kein großes Problem dar, da das gesamte Verbrauchsmaterial und auch die PD-Maschinen mit an den Ferienort genommen werden kann.

Die Kinder kommen in der Regel alle vier Wochen zu uns zur ambulanten Kontrolle in die Klinik. Wir besuchen unsere Patienten wenn immer möglich initial, aber auch regelmäßig im Verlauf zu Hause. Ganz sicher findet ein Hausbesuch vor Entlassung aus der Klinik statt. Um die Materialbereitstellung zu Hause kümmert sich das Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation (KFH) durch seine eigenen Fachpersonen. Das KFH führt auch in Zusammenarbeit mit uns die Hämodialysen auf dem Campus der Universitätsklinik durch.

Diätetische Einschränkungen sind in der Regel nicht unbedingt nötig, jedenfalls sind die Kinder im Essen und Trinken nicht so eingeschränkt wie bei der Hämodialyse, da ja kontinuierlich dialysiert wird. Eine Ausnahme stellen hier ganz kleine Kinder dar.

Medikamente müssen ebenfalls ganz ähnlich wie bei der Hämodialyse eingenommen werden. Auch das blutbildende Hormon (Erythropoeitin), das meistens einmal pro Woche gespritzt werden muss.

Vorbeugen ist besser als Behandeln

Eine Bauchfellentzündung (Peritonitis) ist mit sorgfältiger, sauberer Dialysetechnik weitgehend vermeidbar. Alle an der Dialyse beteiligten Personen werden durch uns angelernt. Nach der Entlassung bleiben wir in regelmäßigen Kontakt, so dass eventuell auftretende Probleme frühzeitig erkannt und wenn möglich immer gleich behoben werden können.

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Was ist zu beachten:

  • Steriles Arbeiten, auch zu Hause
  • bei Problemen immer Rücksprache
  • Bauchfellentzündung: Dialysattrübung, Schmerzen, „nässender“ Exit
  • => Vorstellung in der Klinik

Welche Dialyse für welchen Patienten?

Für kleine Kinder sowie für solche, die weit entfernt von einem Dialyse- Zentrum wohnen, ist die Bauchfelldialyse sicher eine gute Behandlungsmethode. Sie stellt aber sehr hohe Anforderungen an die Familien, meistens an die Mütter, die in der Regel die Bauchfelldialyse durchführen.

Ein Umstieg auf die Hämodialyse ist meistens durchaus möglich. Umgekehrt ist ein Wechsel von HD auf PD ebenfalls machbar. Nicht in Frage kommt die Bauchfelldialyse, wenn Verwachsungen in der Bauchhöhle von früheren Operationen bestehen oder wenn das Bauchfell aus einem anderen Grund nicht mehr intakt ist (z.B. nach rezidivierenden Bauchfellentzündungen). Es gibt leider auch soziale Indikationen, warum eine Bauchfelldialyse nicht möglich ist, aber auch eine Sprachbarriere kann das Anlernen und damit die Durchführung der Baufelldialyse verhindern.

Es gibt auch vor allem jugendliche Patienten, die keinen Fremdkörper (Katheter) über eine längere Zeitspanne in ihrem Körper akzeptieren wollen. Es ist daher sehr wichtig, sich mit den möglichen Behandlungsarten bereits frühzeitig vertraut zu machen, sofern dies vom Nierenleiden her möglich ist. Um sich frühstmöglich auf die für den Patienten geeignete Dialyse festlegen zu können ist ganz wichtig, dass der Patient und seine Familie gegenüber dem behandelnden Team (Ärzte, Sozialarbeiterin, Psychologin, Schwestern) alle Erwartungen die sie an die Dialyse stellen äußern. Z.B. möglichst diätunabhängig und selbstständig zu sein, wie es bei der Peritonealdialyse der Fall sein kann, oder aber lieber während der Dialyse nicht allein, sondern in einer Gruppe Gleichaltriger zu sein, wie es bei der Hämodialyse der Fall ist. Diese Wünsche werden dann soweit es die Erkrankung zulässt mitberücksichtigt und der beste Weg gefunden.